Tagesfahrt nach Aachen
Ludwig Forum und Kornelimünster

16. Mai 2009

I. Ludwig Forum

Die erste Präsentation der jungen amerikanischen Pop-Art-Szene in Aachen 1969 durch Peter und Irene Ludwig war ein wahrer Paukenschlag. Er führt zur Gründung der "Neuen Galerie - Sammlung Ludwig", geleitet von Wolfgang Becker. Bald öffnete auch das Museum Ludwig in Köln seine Pforten. Es avancierte zum Flaggschiff der Sammlung und ihrer Klassiker. Die Programmatik der "Neuen Galerie" und des späteren "Ludwig Forums für Internationale Kunst" dagegen war unmittelbar mit den oftmals kühnen Entwicklungsschritten der Sammlung Ludwig verbunden. Durch die Begeisterung des Sammlers für den "unmittelbaren Ausdruck eines generationsbedingten Lebensgefühls" fanden später weltberühmte gewordene Werke u.a. von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Duane Hanson und Chuck Close ihren Platz in der Sammlung.

Ende der siebziger Jahre wandten Sammler und Museum sich den osteuropäischen Kulturregionen zu. Die Unruhe der fundamentalen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen schlug sich in einer ungewöhnlich intensiven künstlerischen Kreativität nieder, die es zu beobachten galt. Immer wieder wurde nun Kunst aus "West" und "Ost" miteinander konfrontiert und kombiniert. Werke von Baselitz und Ebersbach standen einander gegenüber, sozialistischer Realismus und Neue Wilde, wie auch Werke aus Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der UdSSR den Arbeiten aus Westdeutschland, Frankreich und Italien begegneten. Eine dauerhafte Kooperation mit den jeweiligen Ländern sollten die Neugründungen der Ludwig Museen in Oberhausen, Koblenz und Wien sowie in Budapest und St. Petersburg garantieren. In Aachen fand die enorm gewachsene Sammlung neue Räume im "Ludwig Forum für Internationale Kunst", das 1991 eröffnet wurde.

Der Blick war nun frei für eine globale Kunstbetrachtung. Erste Verhandlungen über Ankaufsmöglichkeiten kubanischer Kunst in den frühen neunziger Jahren führten zu umfangreichen Präsentationen kubanischer und lateinamerikanischer Kunst. Die neu gegründete Ludwig Stiftung in Havanna war dabei ein wichtiger Partner. 1996 - mit der Gründung eines weiteren Ludwig Museums in Peking - wurde die Basis für einen kontinuierlichen Austausch mit China geschaffen. Das Ludwig Forum reagierte mit einer Reihe von Ausstellungen mit Künstlern aus China, Taiwan, Korea, Japan und Indonesien. Hinzu kam die Präsentation der Neuankäufe aus China, die damit ihren ständigen Platz in der Sammlung fanden.

Heute präsentieren sich die Sammlung und das Potenzial des Ludwig Forums als Kaleidoskop einer Welt, die in den letzten dreißig Jahren in inhomogenen Entwicklungsschüben zusammengerückt ist. Ihre Stärke ist der vorurteilsfreie Zugang zu wichtigen Kunstwerken aus fünf Kulturregionen: Europa, Nordamerika, Osteuropa, Lateinamerika und Asien.

(von: www.ludwigforum.de)


Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wurde die Sammlung POP UP! gezeigt mit Werken von Haegue Yang, Sofia Hultén, Annette Wehrmann, Karø Goldt, Gabriel Kuri, Nairy Baghramian, Susanne Paesler, Danica Kakic, Yael Barana.

 

II. Ehemalige Reichsabtei Aachen-Kornelimünster

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land Nordrhein-Westfalen Eigentümer der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Kornelimünster, eines barocken, denkmalgeschützten Gebäudekomplexes. Seitdem ist das Land für den Erhalt der Liegenschaft verantwortlich.

Seit 1976 beherbergt dieser repräsentative Bau die Einrichtung "Kunst aus Nordrhein-Westfalen - Förderankäufe seit 1945". Ab Anfang der 90er Jahre wurde der gesamte spätbarocke Gebäudekomplex schrittweise saniert, sodass er der Sammlung als Heimat dienen kann.

Die Liegenschaft des Landes umfasst die fünf Flügel des ehemaligen Klostergebäudes und zwei innenliegenden Höfe. Außerdem gehören dazu der große Vorhof der Abtei mit seiner einseitigen spätmittelalterlichen Bebauung und die so genannte Immunitätsmauer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete "Turnhalle" sowie eine spätgotische Doppeltoranlage vor dem linken Seitenflügel und die großflächigen Grünanlagen.

1992 zeigte sich, dass nicht nur eine Dachsanierung, sondern ein Konzept für eine Gesamtsanierung nötig war. Die Kosten dafür betrugen rund 15 Millionen Mark, die das Land Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt hat. Durch die Sanierung sollte einerseits der Charakter der Anlage erhalten bleiben und andererseits der heutigen Nutzung Rechnung getragen werden. Deckengemälde, Stuckarbeiten, Kaminanlagen und wertvolle Fußböden sollten deshalb restauriert werden.

Die Nutzung des Mitteltrakts als Ausstellungshaus machte eine besondere Ausstattung erforderlich. Bis auf das "Jagdzimmer" sind in allen Räumen die Wände weiß, so dass sie einen neutralen Hintergrund für die moderne Kunst bieten. Eine zeitgenössische, funktionale Ausstellungsbeleuchtung bringt die Kunstwerke adäquat zur Geltung und beeinträchtigt nicht die mit Gemälden und Stuckarbeiten verzierten Decken. Das Dachgeschoss wurde als Zentraldepot für alle Förderankäufe des Landes ausgebaut. Im Erdgeschoss befinden sich die Verwaltungsräume.

Bei der Sanierung des rechten Seitenflügels Ende 1999 wurde ein mittelalterliches Flächendrainagesystem gefunden. Das wertvolle Bodendenkmal wurde frei gelegt und kann jetzt in Teilen nach Vereinbarung besichtigt werden.

Bei der Restaurierung wurden auch Putz und Anstrich sämtlicher Fassaden erneuert. Im Jahr 2002 sind alle Arbeiten an der schlossartigen Anlage abgeschlossen worden. Eine Sanierung der spätmittelalterlichen Wohngebäude und der historischen Kanaltrassen im Untergrund wird sich anschließen. Dann wird sich die ehemalige Reichsabtei - eingebettet in den malerischen historischen Ortskern von Kornelimünster - wieder in ihrer ganzen Pracht der Öffentlichkeit präsentieren.

Diesen Text und weitere Informationen finden Sie unter www.kunst-aus-nrw.nrw.de/

Am Tag unseres Besuchs wurde die Ausstellung "Ein Land im Flusse; und er saugt ein Meer" der Düsseldorfer Bildhauerin und Installationskünstlerin Julia Kröpelin eröffnet.


III. Die Stadt Aachen

Wie bei allen Exkursionen des Kunstvereins bestand auch diesmal die Gelegenheit zu einem Stadtbummel. Bei schönstem Wetter konnte der Aachener Dom und die vielen anderen Sehenwürdigkeiten besichtigt werden: das im neoklassizistischen Stil erbaute Theater, das Rathaus, der Elisenbrunnen, der berühmte Geldbrunnen, der Bahkauv-Brunnen ... oder man ließ sich in einem der vielen Straßencafés gut gehen.


Impressionen von der Exkursion finden Sie hier
(QuickTime Player oder Real-Player erforderlich! 22 MB, d.h. lange Ladezeit):

>> Filmclip aus Aachen, mov-Datei <<

 

>> Zur Auswahl <<