1988

27. August 1988 Kunsthalle Emden

Kunsthalle Emden

Die Kunsthalle ist 1986 von dem "Stern"-Gründer Henri Nannen für seine Sammlung erbaut worden. Sie ist somit eine Stiftung für seine Geburtsstadt Emden und beherbergt sowohl seine und Eske Nannens Sammlung mit Werken deutscher Expressionisten, Vertretern der Neuen Sachlichkeit und zeitgenössischer Kunst.
Weiterhin ist in der Kunsthalle die Schenkung des Münchener Galeristen Otto van de Loo (vorwiegend Informel, COBRA, Spur, Geflecht) zu sehen.
Mehr Informationen über die Kunsthalle unter: www.kunsthalle-emden.de



Zur Zeit unseres Besuches fand eine Ausstellung mit Bildern von Horst Janssen statt.
Anschließend Besuch des Emdener Hafens

 

 

 

 


.. Märkisches Museum Witten

Märkisches Museum Witten

Am 7. Oktober 1988 wurde das Museum nach umfangreichem Neu- und Umbau eröffnet.

DIE NEUE ARCHITEKTUR...

ist das Resultat eines lang andauernden und mehrere Varianten durchspielenden Planungsprozesses. Mit erstmals 1979 bereitgestellten Planungsmitteln wurden im Jahre 1980 zwei Gutachten eingeholt, die sich mit der Frage einer Erweiterung befassen sollten. Die Planungsgruppe Prof. Kasper, Aachen, und das Architektur-Büro P. und U. Trint, Köln, lösten die Aufgabe mit jeweils völlig unter schiedlichen Ergebnissen.
Der Vorschlag der Architekten Trint "duckte" sich hinter das bestehende Museum — unter Ausnutzung der Höhenentwicklung in das Gelände. Die Planungsgruppe Prof. Kasper stellte einen völlig selbstständigen Baukörper tief gestreckt neben das vorhandene Haus in den Park. Ein gläsernes Bindeglied verband Alt- und Neubau. Haupteingang blieb, wie auch in der Lösung Trint, der jetzige Eingang. In einem eindrucksvollen Verlauf wurde der Besucher an der Strünkede-Gruppe im Erdgeschoss über die Erweiterungsflächen des Neubaus zu den Ausstellungsräumen des Altbaus geführt.
Beide Varianten stellten qualitativ gute Extremlösungen dar, entsprachen jedoch nicht den Vorstellungen der Stadt. Die Bauverwaltung wurde beauftragt, eine sparsamere Lösung zu erarbeiten.

Vor- und RückseiteStatt eines nebengestellten Neubaues wurde der unmittelbare Anbau entwickelt. Wenn auch der Altbau in der Folge der historischen Bebauung an der Husemannstraße einen Solitär darstellt, so war aus organisatorischen Gründen diese unmittelbare Anbindung notwendig. Gestalterisch erschien diese Lösung erlaubt, da das alte Museum mit sei ner charakteristischen Sandsteinfassade in den rückwärtigen Fassadenpartien anspruchslose Putzflächen aufwies. Bei dem planerischen An- gang spürte man vordringlich die Verpflichtung, die historische Frontpartie des alten Hauses zu beachten und ihr mit dem Anbau nicht die Wirkung zu nehmen. Gleichwohl sollte der Anbau eine gewisse Eigenständigkeit erhalten.
Es war demzufolge eine Selbstverständlichkeit, den Haupteingang traditionsgebunden im Altbau zu belassen. Die schwierige Aufgabe, mit dem unmittelbaren Anbau die historische Fassade nicht zu beeinträchtigen, wurde durch zurückhaltende Materialwahl und Formensprache erreicht. Eine Sandsteinfassade für den Erweiterungsbau zu wählen, hätte in ihrer Wirkung der Altbaufassade eine unangemessene Konkurrenz gemacht
Der Versuch, von der seitlichen Sandsteinfront möglichst viel sichtbar zu erhalten, führte zu schräg verlaufenden Wandanschlüssen. Im Erdgeschoss war der vorspringende Verlauf aus organisatorischen Gründen unabdingbar. Im Obergeschoss erlaubt der rückspringende Verlauf den Ein blick auch auf dieses Fassadenstück Es wirkt zu gleich über ein großes Fenster in den Neubau hin ein. Zur Heraushebung dieser Verbindungsstelle entstand der sog. "architektonische Rahmen", der in erster Linie zur Ankündigung von Wechselausstellungen dienen soll.
Der in der Frontpartie des Erweiterungsbaus erkennbare Vorsprung dient der Lichtführung der dahinter liegenden Halle. Sie ist der neue Zentral- bereich, in den man vom Haupteingang gelenkt wird und von dem aus alle Ausstellungs- und Nutzungsbereiche des Hauses erreicht werden können.
Die Erschließung der Gesamtanlage von der neuen Treppenhalle erforderte eine Umorientierung der Zu- und Durchgänge im Ausstellungsbereich des Altbaus. Die ursprünglich längs orientierte Erschließung musste durch die seitlichen Zugänge in eine Quererschließung geändert werden. Damit konnte zugleich eine große optische Durchlässigkeit erreicht werden.
Hauptakzent der neuen Halle ist die Strünkede Gruppe, die als barockes Grabmal im alten Museum einen besonders betonten Standort in der Apsis der großen Halle hatte.
Entsprechend der ursprünglichen Bedeutung der Gruppe wurde für ihren neuen Standort nur indirekte Lichtführung aus dem „Lichtturm“ entwickelt. Ein Fenster in der Vorderfront soll bewusst eine Sichtbeziehung der Gruppe zur Straße ermöglichen.
Das Prinzip der Oberbelichtung, wie es im Altbau vorhanden war, wurde auch für die Ausstellungsräume des Neubaus gewählt Lediglich eine weiße Markise sorgt in all diesen Bereichen für die Abschirmung direkter Sonneneinstrahlung. Die technische Lösung der Oberlichter sowohl im Alt- bau als auch im Neubau ist sehr einfach und konnte mit vergleichsweise geringen Kosten realisiert werden.
Der vorhandene Geländeverlauf erlaubte, die drei Geschosse des Erweiterungsbaus versetzt anzuordnen und somit günstige Anlieferungsmöglichkeiten im rückwärtigen Bereich als auch eine gute Verbindung zum Altbau herzustellen.
Alle sechs versetzten Ebenen sind durch einen Aufzug miteinander verbunden. Er macht das ganze Haus auch für Behinderte erreichbar und dient dem Transport von Ausstellungsgut.


IN NEUEN RÄUMEN ...

und nach fast dreijähriger Umbaupause kann das Märkische Museum nun seine Arbeit fortsetzen — unter räumlichen Bedingungen, die in einer Stadt von der Größenordnung Wittens ihresgleichen suchen. Wer früher dem Museum einen Besuch abstattete, wurde in einen düsteren Raum eingelassen, nach dem er sich mit einer Klingel bemerkbar gemacht hatte. Von hier führte der Weg in die Ausstellungsräume der Obergeschosse, die übereinen Treppenaufgang erstmal erklommen werden mussten. Heute gelangen die Besucher durch den alten Haupteingang in den neu gestalteten, lichten Eingangsbereich. Nur die Wendeltreppen rechts und links des Zugangs erinnern an die Vergangenheit.
Die architektonische Gestaltung geleitet Gäste unweigerlich in die rechts gelegene, helle Empfangshalle, die neuer Mittelpunkt des Märkischen Museums ist. Hier befinden sich berühmte Dauerexponate: Das Strünkede-Grabmal, die hölzerne Statue des heiligen Engelbert und das Renaissance-Relief des Hauses Herbede. Eine Graphik von Fred Thieler steht exemplarisch für den Schwer punkt der museumseigenen Sammlungen: Die Kunstsammlung der Stadt Witten mit Werken deutscher Malerei und Grafik seit 1900.
Von der Halle, die auch als Veranstaltungsraum für Theater- und Musikaufführungen genutzt werden soll, gelangt man in die Cafeteria sowie in das Münzkabinett im Untergeschoß, in dem erstmals die wertvolle Münzsammlung des Museums aus gestellt wird: Taler und Mehrfachtaler geistlicher Territorien deutschen Sprachraums vor der Säkularisation.
In Ausstellungsräumen zu ebener Erde befindet sich auch das Graphik-Kabinett, in dem Arbeiten aus dem Eigenbesitz gezeigt werden. Die fensterlosen, ausschließlich nur mit regelbarem Kunstlicht beleuchteten Räume halten das für die Kunstwerke schädliche natürliche Licht fern.
Der Weg in die Obergeschosse führt über die in der Empfangshalle beginnenden Treppen, die auch den Zugang zu den Galerien ermöglichen, von denen aus man einen — selbstverständlich nur räumlich — "herablassenden" Blick auf die in der Halle platzierten Kunstwerke hat.
Im Zwischengeschoß des Neubaus liegt der Ausstellungsraum für Kleinplastiken und Exponate zur Stadtgeschichte. Seine breite Fensterfront eröffnet einen Ausblick in den Museumsgarten und auf das Heimatmuseum. Die Konzeption sieht vor, diesen Raum auch für Vorträge und Versammlungen zu nutzen.
Im Obergeschoß liegen sechs gleiche Ausstellungsräume, in die durch insgesamt 16 Kuppeln Tageslicht fällt. Um eine optimale Ausnutzung der Wandflächen für Ausstellungszwecke zu erzielen, wurde auf Türöffnungen verzichtet. Stattdessen sind Durchgänge in den Schnittpunkten der Wände freigelassen, die über ihre funktionale Bedeutung hinaus noch ein besonderes Raum empfinden vermitteln: So kann jeder der sechs Räume als eigenständig und gleichzeitig als in die gesamte Raumstruktur eingebunden wahrgenommen werden.
Die Gleichartigkeit der Räume bricht auch mit der hierarchischen Raumkonzeption des Altbaus, die eine hierarchische Anordnung der Exponate verlangte. So können die Ausstellungsstücke frei von architektonisch vorgegebenen Wertigkeiten präsentiert werden.
Auf gleicher Ebene wie die sechs Ausstellungsräume des Neubaus befinden sich die Zugänge zum Altbau. Als einfache Mauerdurchbrüche konstruiert, ermöglichen sie eine optische Erfassung der Raumgliederung des Altbaus, bevor man ihn betreten hat.
Im großen Ausstellungssaal wurde eine in der 50er Jahren eingezogene Zwischendecke entfernt und die ursprüngliche Kassettendecke wiederhergestellt, sodass er sich in der Architektur seiner Entstehungszeit präsentiert. Mit neun Meter Höhe eignet er sich besonders für die Ausstellung großformatiger Kunstwerke sowie für Theater- und Konzertdarbietungen. Eine Klarglaskuppel ermöglicht eine Durchflutung des Saales mit Tageslicht.
Die Empore des Altbaues wurde belassen. Sie erreicht man vom großen Ausstellungssaal über zwei Wendeltreppen, die auch den Zugang zu den kleineren Ausstellungsräumen im zweiten Obergeschoss erschließen.
Hinter den Kulissen verborgen findet sich im Erdgeschoss des Altbaus eine Malschule für die museumspädagogische Arbeit mit Kindern, in der unter fachlicher Anleitung ein spielerisches Verhältnis zur Kunst entwickelt werden soll. Außerdem dient dieser Raum als Dia- und Filmvorführraum und als Vortragssaal für den Verein für Orts- und Heimatkunde.
Daran anschließend beginnen die Arbeitsräume der Museumsverwaltung, die nach funktionalen Gesichtspunkten konzipiert wurden. So sind die 50.000 Bände umfassende Bibliothek zur Landeskunde Westfalens und ein Archiv alter Urkunden und Dokumente in speziell klimatisierten Räumen untergebracht, in denen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtverhältnisse die wertvollen Bestände schützen.
Die Arbeitsbereiche von Museumsleitung, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Verwaltungskräften wurden von der hinderlichen Enge vor dem Umbau befreit und durch möglichst kurze Wege miteinander verbunden, so daß optimale Arbeitsabläufe gewährleistet sind. Auch die im Untergeschoß des Neubaus befindliche eigene Werkstatt — getrennt in je einen Raum für "unreine" und "reine" Arbeiten — ermöglicht durch ihre ausreichende Größe und die guten Lichtverhältnisse gutes und leichtes Arbeiten.
Im Verborgenen ruht auch die Haustechnik: Die Klima- und Heizungsanlage, die in den Magazinen, in der Bibliothek und in der Vitrine des heiligen Engelbert für jeweils besondere klimatische Bedingungen sorgt. Verborgen sind auch die Videoüberwachung und die Zentrale der Feuer- und Einbruchmeldeanlage. Sie gibt im Notfall automatisch eine Alarmmeldung an Feuerwehr und Polizei, damit dem Märkischen Museum nicht verloren geht, was in nunmehr l02jähriger Arbeit erreicht wurde.

(Aus dem Katalog der Stadt Witten/Abt. Öffentlichkeitsarbeit "Premiere mit Tradition", 1988)

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