Ausbildung
Ausbildung zum Gebrauchsgraphiker an der Folkwangschule in Essen
Preise/Auszeichnungen
1964 und 1971 Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen
1972 Konrad-von-Soest-Preis des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Teilnahme/Mitgliedschaften
1957 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes;
enger Kontakt zur Gruppe ZERO;
1963-73 Mitglied/Vorsitzender der
Künstlersiedlung "Halfmannshof", Gelsenkirchen;
Ausstellungen
u.a. in Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf,
Esslingen, Frankfurt/Main, Köln, Mönchengladbach,
Münster, Nürnberg,
Wien/A, Philadelphia/USA, Washington/USA
Nachruf
Die aktuelle Kunst mitgeprägt:
Trauer um Ferdinand Spindel (1913-1980)
Ferdinand Spindel, einer der wichtigsten Repräsentanten der
zeitgenössischen Kunst, Schöpfer der Schaumstoff-Reliefs,
der Environments und der rosa Schaumstoff-Stelen, starb 1980 im Alter
von 67 Jahren auf seinem Bauernhof in Neuenkirchen bei Soltau.
Am 31. Januar 1913 in Essen geboren, war Spindel mit der Stadt Gelsenkirchen
über Jahre hinaus eng verbunden. Ein Jahrzehnt, von 1963 bis 1973,
prägte er das Erscheinungsbild der Künstlersiedlung Halfmannshof,
als deren 1. Vorsitzender er in dieser Zeit fungierte. Er leitete ein Zeit
des künstlerischen Aufbruchs ein, der den Halfmannshof zum international
bekannten Umschlagplatz für alle aktuellen Tendenzen in der bildenden Kunst machte.
1971 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen.

Ferdinand Spindel gehörte zu den interessanten Ideenträgern
in der Kunstentwicklung der 60er Jahre. Es gelang ihm, ein schäbiges
Material - den Schaumstoff - zu einem legitimen künstlerischen Ausdrucksmittel
zu machen. Dieses alltägliche Ausgangsprodukt in aufdringlichem Rosa und mit
glitzernder Oberfläche bekam durch seine Gestaltung ästhetische Qualität.
In großen Einzelausstellungen, so zum Beispiel bei Zwirner in Köln
oder im Museum am Ostwall in Dortmund, sowie in großen Schauen, unter
anderem bei der Heidelberger "Intermedia", bei der Essener Ausstellung
"Szene Rhein-Ruhr 1972" oder bei der Sonderschau im
Westfälischen Landesmuseum Münster zur Verleihung des
Konrad-von-Soest-Preises, zeigte er Arbeiten, deren Faszination Kunstfreunde,
Galeristen und Museumsleute gleichermaßen beschäftigte.
Ankäufe für große Kunstsammlungen waren ein Anzeichen
für die Originalität seines Schaffens. Seine engere Heimat
Westfalen ehrte ihn 1972 mit der Verleihung des Konrad-von-Soest-Preises
durch den Land-schaftsverband Westfalen-Lippe. In der Würdigung
hieß es unter anderem: "Das Ziel der Kunst von Spindel
ist nach seinen eigenen Worten, neue Materialien geistig anzunehmen
und zu bewältigen, in der Wahl und Gestaltung eines Industrieproduktes
ein Werk zu schaffen, das im zweckfreien Medium der schönen Kunst
den Menschen mit seiner technischen Um-welt ästhetisch zu versöhnen
unternimmt.
In den letzten Jahren kehrte Spindel zu den Anfängen seiner
künstlerischen Tätigkeit zurück. In seiner letzten
Gelsenkirchener Ausstellung 1979 im Atelier Glasmeier zeigte er fein
strukturierte, plastisch wirkende Bleistiftzeichnungen, die große
Ähnlichkeit mit den Schaumstoff-Faltungen aufwiesen. Damals
feierte er diesen Neubeginn mit vielen seiner alten Freunde.
(Anneliese Knorr, 1998)