Kunstverein Gelsenkirchen e.V.  

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Ausstellungsreihe "Kunst am Baum"

seit 1993

Ort: Skulpturenpark an der Adenaueralle / Berger Park, Gelsenkirchen-Buer
mit Begleitausstellung im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Lageplan Baumskulpturen

"Ein Baum, bereits vom Vergehen gezeichnet und der Vernichtung durch die Kettensäge anheim gegeben, ist durchaus für den Menschen auf wundersame Weise von existenzieller Bedetung. Obwohl seiner Stattlichkeit, dem Schmuck seiner Krone und der ausladenden Umarmung der Äste beraubt, klammert sich der Stumpf mit seinem Wurzelwerk immer noch kraftvoll an das Erdreich. So als stünde der Erneuerung bzw. der Reinkarnation - als einer Frage der Zeit - nichts im Wege.

Dass Derartiges auf dem Wege äußerer und innerer Verwandlung naturhafter Vorgaben möglich ist, macht der Kunstverein an seinem Projekt "Kunst am Baum" seit 1993 deutlich. In der Bannmeile des Wasserschlosses Berge in Gelsenkirchen-Buer, oberhalb des Berger Sees, entstand ein Kunst-Ensemble, das die Verbindung von Natur und zeitgenössischer Kunst offenbart.


Ulrich Daduna, Architekt, Kunstliebhaber und Vorsitzender des Kunstvereins, gab seinerzeit den Anstoß zu einer Aktion, die längst die Grenzen der Stadt überschritten hat. Ein wichtiger Aspekt dabei war der Konsens mit städtischen und regionalen Gremien, die der Idee der künstlerischen Umwandlung geschädigter und zum Abholzen bestimmter Pappeln von Anfang an positiv gegenüberstanden. Mit der technischen Unterstützung von Gelsengrün wurde ein Areal in dem parkähnlichen Umfeld des Berger Sees für den Kunstverein vorbereitet.

Seit der Bildhauer und Objektmacher Stefan Pietryga mit seiner Pappel "Westwind" ein blaues Fanal setzte, haben sich bis zum Jahr 2000 acht Künstlerinnen und Künstler mit dem Thema beschäftigt: Angelehnt an die eigenen Gestaltungsgrundlagen entwickeln sie individuelle Konzepte, die sich mit Raumsituationen, der Spiegelung naturnaher Zustände oder mit Hinweisen auf die mythischen Wurzeln zwischen Mensch und Baum auseinandersetzten."

(Anneliese Knorr, 2000)

Fotos der Baumskulpturen überwiegend von Dieter Grundmann, Fotograf, Gelsenkirchen


MEHR IN DER TÖNE SCHWELLEN, ab 18. Juni 2017
Baumskulptur 25 von Angela Hiß, Düsseldorf

SCHMAROTZER AM LEEHRSTUHL, ab 3. Juli 2016
Baumskulptur 24 von Georg Janthur, Wuppertal
EINSICHTEN, ab 21. Juni 2015
Baumskulptur 23 von Heike Endemann, Radolfzell
HÖHERE UND NIEDERE AFFEN, ab 25. Mai 2014
Baumskulptur 22 von Thomas Putze, Stuttgart
BILDGESCHICHTE DER TRAGENDEN, ab 23. Juni 2013
Baumskulptur 21 von Hermann Böning, Köln
BEFREIUNG, ab 17. Juni 2012
Baumskulptur 20 von Leif-Erik Voss, Siegburg
SELBSTKERNSPALTUNG, ab 22. Mai 2011
Baumskulptur 19 von Christian Forsen, Meerbusch
GESPRÄCH DER BAUMGEISTER, ab 20. Juni 2010
Baumskulptur 18 von Jan Bormann, Castrop-Rauxel
WACHSEN, ab 21. Juni 2009
Baumskulptur 17 von Detlef Waschkau, Berlin
COCON AQUARIS, ab 21. Juni 2008
Baumskulptur 16 von Roger Rigorth, Otzberg/Darmstadt
BAUMFEE, ab 17. Juni 2007
Baumskulptur 15 von Jörg W. Schirmer, Essen
INFELIX LIGNUM II, ab 24. September 2006
Baumskulptur 14 von Felix Droese, Mettmann
WILDES PAAR, ab 5. Juni 2005
Baumskulptur 13 von Jems Robert KoKo Bi, Essen
ZUR SONNE, ZUR FREIHEIT, Frühjahr 2004
Baumskulptur 12 von Roger Löcherbach, Essen
GROSSER WINKELSTAND, 25. Mai 2003
Baumskulptur 11 von Gunther Hüswitt
PLANETENTURM, Sommer 2002
Baumskulptur 9 von Günther Gerlach
SÄULE, 2. Juni 2001
Baumskulptur 9 von Ulrich Möckel
BLICK, Sommer 2000
Baumskulptur 8 von Shugang Wang, Duisburg und Peking
REGAL, Sommer 1999-2005
Baumskulptur 7 von Uwe Schloen
STANDPUNKT, Sommer 1998
Baumskulptur 6 von Nicola Dormagen (Narthausen/Ottersberg)
TOR, Sommer 1997
Baumskulptur 5 von Christoph latz
BAUM-DOM, Sommer 1997
Baumskulptur 4 von Herman J. Kassel, Köln und Essen
HALTUNGSVERSUCHT - Konzept für einen gefällten Baum , Sommer 1996
Baumskulptur 3 von Wolfgang Liesen, Essen
VERSPIEGELT, Sommer 1995
Baumskulptur 2 von Heinz Jahn, Hamburg und Dordogne
BLAUE PAPPEL, Sommer 1993
Baumskulptur 1 von Stefan Pietryga

Kommentar zu Stefan Pietrygas "Blauer Pappel" von Roland Scotti:

Gedanken-Splitter, blau gefasst,
oder: Sätze an Bäume

Über die blauen Pappeln von Stefan Pietryga zu schreiben, ähnelt der Beschreibung einer Phantasie-Welt, die sich der faktischen Realität einschreibt. Die Himmelspitzen, die an vielen Orten stehen, sind Zeugen einer kontinuierlichen, künstlerischen Arbeit, Fixpunkte einer bewegten Biographie und Orientierungshilfen im Dickicht des ästhetischen Pluralismus. Wenn ich diesen Nadeln gegenüberstehe, so denke ich an weite Arbeitsräume, an Denkbrücken, an barocke Gärten, an optische Illusionen, an heidnische Stätten und an feiernde, miteinander sprechende Menschen. An Gesamtkunstwerke und an Dialoge zwischen scheinbaren Gegensätzen. Und die Pappeln sind noch viel mehr:
Ein Mehr, das im Laufe der Jahre so komplex geworden ist, dass ich mich ihm ausschließlich andeutungsweise, spielerisch fragend und entgegen jeder Systematik annähern kann und will:
Der Mensch geht aufrecht. Und er erschafft sich ein Gegenüber, manchmal errichtet auf einem Sockel, doch meist in seiner Augenhöhe, nach seinem Maß. Sein Blick geht weiter, darüber hinweg auf der Suche nach einem Oben. Oben ist das Andere: die Welt der Konzepte, der Geist, das Unbekannte, die blaue Leere vom Blau.
Im Vertikalen wird das Darüber wichtig, nicht das Daneben, das Platte und das Erdverbundene. Das Nach-oben-Streben hat potenziell und prinzipiell keine Grenze, löst feste Räume auf, kippt den Horizont in die Senkrechte und reicht in das Unendliche, in das All und Nichts. Das Aufrechte ist immer anthropomorph, metaphorisch und transzendent. Zum einen ästhetische Überhöhung zum anderen gar ethische Mahnung: Aufrechte Kunst = Aufrichtige Kunst?
Der aufrecht gehende Mensch ist geformte Natur. Nur gestaltete Natur birgt Kultur - jedenfalls solange das menschliche Bewusstsein zwischen beiden steht, es sowohl das eine als auch das andere nach seinem Wesen bestimmt, seinen Erkenntnisperspektiven zuordnet. Doch das beschreibende und beschreibbare Wissen ist fragwürdig geworden, die rationalistisch-reale Gewißheit von den Dingen, Taten und Gedanken tauchen ein in die Ungewißheit, die neue Denkstrukturen und Materialverhinderungen fordert - auch in der Kunst.
Constantin Brancusi und Yves Klein hätten wahrscheinlich gerne gemeinsame Werke entworfen: Blaue Säulen, transparente Räume, aus denen Treppen in das ästhetische Jenseits, das kognitive Neuland führen. Vielleicht entwerfen sie nun utopische Welten - diesseitiges Glück - im Kinderhimmel, der ein verblauendes Paradies ist?
Die Wirklichkeit, die Erfahrung aber findet zwischen den Worten, den Werken, den gestalteten Tatsachen statt. Der Spannungsraum der Realität wird von den Gestalt gewordenen, künstlerischen Entscheidungen - den blauen Pappeln - markiert. Diese Landschaftszeichen sind Eckpunkte, Monumente und Grenzpfähle, die unaufdringlich und doch klar signalisieren= Achtung! Hier nicht weiter! Sie verlassen den realistischen Sektor! Und betreten fremdes Gebiet, ästhetische Reiche, deren Schönheit nicht von dieser Welt sein kann und doch aus ihr ist. Eine terre inconnu, die wir gerade wegen des Verbotes und trotz der Schwellenangst umso lieber entdecken, erkunden und erleben wollen.
Und im Detail und in der Struktur der Holzskulpturen, geschlagen, gemeißelt und gesägt aus einem Stamm, tanzt und wogt das Leben. Abseits der himmlischen Verweise, von nah gesehen, erscheint die Lust an der formenden Arbeit, die widerständige und doch fließende Kraft des Materials und unmittelbare Dichte der Farbe. Eine ungewohnt sinnliche Gegenwärtigkeit bricht in den Alltag: eine Plötzlichkeit wird manifest, die sich gegen die Vergänglichkeit stemmt: ein Gefühl - gleichzeitig innerhalb und außerhalb der Welt zu sein - wird sichtbar: Das Tor ist geöffnet!
Und im Augenblick der Konfrontation mit dem Unerwarteten, in der Dauer der Meditation über das Sichtbare wird offensichtlich, was wir vom Allgemeinen und vom Besonderen ahnen, aber selten ausssprechen:

Ein Wald ist ein Baum ist eine blaue Pappel ist ein Kunstwerk ist ein Handwerk ist eine Idee ist eine Empfindung und ist Existenz - und umgekehrt.

(Roland Scotti)


 

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